Stefan-A. Hoffmann

Texte & Meinungen

12. Juni 2017
von Stefan-A. Hoffmann
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Stimmengewitter

Gestern Abend fand in unserem Kirchgarten eine kleine Nachfeier mit den Menschen statt, die sich beim Kirchentag engagiert haben. Da ich es ja direkt vor der Haustür habe, dachte ich, es wäre eine gute Gelegenheit, liebe Menschen wiederzusehen und Ihnen vorsichtig zu erzählen, was mir passiert ist. Ca. 30 bis 40 Personen waren da und es war für mich die Hölle.

Ich hörte alle Gespräche gleichzeitig in gleicher Lautstärke. Das war irgendwie gruselig. Ich hörte mein Gegenüber in derselben Lautstärke, wie ein Gespräch, das einige Meter weg war. Und an diesem Abend gab es viele Gespräche. Alle Durcheinander und keinen richtig. Und ich konnte meinen Gesprächspartnern auch nicht richtig antworten, da ich sie erstens nicht richtig hörte und zweitens war ich wieder hinter meiner Nebelwand.

Ich habe mich dann zurückgezogen und bin erst später wieder herausgegangen, als nur noch wenige Personen dort waren. Da wurde es für mich ruhiger und ich konnte entsprechend kommunizieren.

 

10. Juni 2017
von Stefan-A. Hoffmann
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Mein Freund der Ball!

Was heißt eigentlich linksseitige Taubheitsgefühle? Das heißt, dass ich in meiner ganzen linken Körperseite keine Gefühle habe. Wenn man die Seite berührt, fühlt es sich pelzig an. Ich spüre auf der Haut keine Temperatur – z.B. bei der Dusche. Nach dem Abtrocknen, kann ich nicht spüren, bin ich noch nass oder trocken.

Darüberhinaus tut es von oben, also vom Kopf bis unten, zum kleinen Zeh sehr weh. Es ist das Gefühl, als ob sich links mein ganzer Körper zusammenzieht. Auf dem Rücken ist das Gefühl, als ob ich einen Rucksack trage, der mich nach unten zieht. Unterhalb des Knies könnte man denken, wäre ein Gurt um das Bein gezogen, der sich je nach Belastung zusammenzieht und das untere Bein abschnürt.

Es sind umheimliche Missempfindungen. Wenn ich gehe, fühlt es sich an, als ob ich auf Pudding laufe. Es geht nur langsam und ich muss aufpassen, dass ich nicht stolpere.

Heute kam dann der Igelball an, mit dem ich ab nun meine linke Seite immer wieder massieren soll. Dieser Ball setzt kleine Reize in die Haut, und die Hoffnung ist, dass dadurch die Nervenenden stimuliert werden. Ich ahne, das wird ein sehr langer Prozess.

Und geistig? Ich habe schon über meine surrealen Dali-Eindrücke geschrieben. Das taucht immer wieder auf. Ich habe dann das Gefühl hinter einer Nebelbank zu stehen.

Ich mache etwas am Computer. Dazu gehört auch dieses Blog. Es ist für mich ein Tagebuch und Therapie. Ich kann mich kurzzeitig konzentrieren, ca. eine Stunde und dann brauche ich eine Pause.

Aber ich setze mir jeden Ziele, geistige und körperliche. Es muss wieder besser werden, auch wenn der Weg noch weit ist.

9. Juni 2017
von Stefan-A. Hoffmann
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Auf geht’s

Heute musste ich meine ersten Schritte in gewohnter Umgebung aber mit anderen Vorzeichen machen. Ich bin zunächst früh aufgestanden, um zum Arzt zu kommen. Ich brauche eine Krankschreibung und jede Menge Tabletten.

Auf dem Bild seht ihr meinen Weg aus dem Haus. Der Weg ist uneben und das ist das Problem. Ich laufe mit der linken Seite unsicher, wie auf Pudding. Ich muss mich sehr konzentrieren, um nicht zu stolpern. Der Weg zu meinem Arzt ist unter normalen Bedingungen in ca. 10 Minuten zu erreichen, heute dauert es deutlich länger.

Dort habe ich nicht lange gewartet. Das war gut, denn ich bin doch sehr angestrengt. Auf dem Weg zurück, ging ich noch zur Apotheke und habe mein Doping geholt. Dann wirste mit 56 doch schon zum Tabletten-Junkie.

Aber ich habe heute meinen Aktionsradius erhöht. Das tat gut.

8. Juni 2017
von Stefan-A. Hoffmann
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Der Marathon-Tag

Heute war der Tag der Heimkehr. Ich bin glücklich wieder zuhause angekommen. Müde, aber glücklich. Es war ein Marathon-Tag gewesen:

Ich wurde pünktlich um 9.30 Uhr entlassen. Mein Schwiegervater hat mich vom Krankenhaus abgeholt und zum Bahnhof gebracht. Die Autofahrt verursachte bei mir einen leichten Schwindelanfall, denn ich merkte plötzlich, dass ich in näherer Zeit gar nicht selber werde Autofahren können. Man muss sich beim Fahren auf so viele Dinge gleichzeitig konzentrieren. Das kann ich gerade noch nicht. Ich kann mich gerade nur auf eine Sache konzentrieren, und das bin sich selbst, wie ich voran komme.

Außerdem fühle ich mich heute wie hinter einer Nebelwand. Ich weiß, dass ich nach Hause fahren muss und bin auch klar, was jetzt ansteht und was ich tun muss. Aber es läuft alles automatisch ab, gleichzeitig fühle ich mich wie in einem Bild von Dali. Irgendwie surreal. Manches verschwimmt.

Im Bahnhof schleppte ich mich dann zum Zeitungskiosk und dann zum Gleis. Die Menschen um mich, die alle gleichzeitig reden, alle in Hektik. Mir wurde es etwas zu viel. Hauptsache ich verpasse nicht den Zug, kann gut einsteigen und meinen Sitzplatz erreichen.

Die Bahnfahrt war angenehm und in Berlin wurde ich nett empfangen.  Erschöpft bin ich zuhause angekommen und freue mich meine Familie wieder um mich zu haben. Das sind die Menschen, für die es sich lohnt wieder auf die Beine zu kommen. Ich bin dankbar, dass es diese Menschen gibt.

7. Juni 2017
von Stefan-A. Hoffmann
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Die Diagnose

Von meinen Gedanken des gestrigen Tages habe ich Euch schon in meinem letzten Eintrag berichtet. Gestern war der Tag der Untersuchungen und es gibt erfreuliche Nachrichten: Alle Blutgefäße, die zum bzw. vom Gehirn führen sind in Ordnung. Es gibt keine Veränderungen, keine Verengungen und Gefässschädigungen. Auch die Untersuchungen des Herzens zeigt, alles okay. Das ist doch was. Und ich habe meinen Aktionsradius erhöht und bin zur Cafeteria gegangen und habe mir eine Süddeutsche gekauft. Es war ein langer Weg und am Ende war ich schon ganz schön kaputt. Aber ich muss ja was tun.

Heute früh dann das MRT. Stefan ging in die Röhre. Kurze Zeit später kam der Assistenzarzt rein und verkündete mir die Diagnose: „Wir haben es im MRT gesehen, Sie hatten einen Schlaganfall. Sie können heute entlassen werden!“. Bam, das saß. Und ehe er das Zimmer verlassen konnte, hakte ich nach: „Ich kann doch jetzt nicht nach Hause, ich muss ja nach Berlin und überhaupt, wie soll ich zurecht kommen, was ist mit arbeiten, was mit einer Reha?“

„Ihr Schlaganfall ist nicht so schlimm. Da braucht es keine Reha und Sie sind ja noch jung, Sie müssen die Taubheit kompensieren, dann können Sie auch bald wieder arbeiten“, sagt er es und verschwand. Ärzte und Empathie, zwei Welten, die sich wahrscheinlich niemals begegnen werden. Das war schon frech. Ich fühlte mich minderwertig, nichtmal einen richtigen Schlaganfall habe ich.

Ich habe mich dann schnell in eine „Schlaganfall-Gruppe“ bei Facebook eingeklinkt, meine Symptome beschrieben und gefragt, ob man damit eine Reha bekommen kann? Die Antwort einer Userin hat mich dann wieder etwas gestärkt:

hallo stefan, es gibt keinen untypischen verlauf des schlaganfalls – jeder schlaganfall muss für sich selbst gesehen werden. wie kommst du darauf, dass es nicht mehr besser wird? war das eine aussage des neurologen? wichtig ist, dass du den mut nicht verlierst und der sozialdienst des krankenhauses sich schnellstmöglich um eine reha kümmert.

Das habe ich dann auch getan und schnell bei den Schwestern darum gebeten, den Sozialdienst zu bitten, für mich eine Reha zu beantragen. Es kam dann auch am Nachmittag eine nette Sozialarbeiterin, die mich bestärkte, dass mir nach einem Schlaganfall auf alle Fälle eine Reha zusteht.

Aber es zeigt, du musst dich um alles selber kümmern. Man muss sich wehren und die Dinge selber in die Hand nehmen. Sonst passiert nichts oder zumindest nicht das, was möglich wäre.

Jetzt habe ich auch meine Rückreise nach Berlin organisiert. Meine Frau musste ja schon nach Hause, weil sie wieder arbeiten musste. Ich selber werde morgen früh mit dem Zug (1. Klasse) nach Berlin reisen. Mein Schwiegervater wird mich zum Bahnhof bringen und in Berlin würde mich eine gute Freundin mit dem Auto abholen. Es wird zwar anstrengend werden, aber ich werde das schaffen.

 

6. Juni 2017
von Stefan-A. Hoffmann
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 Fragen und Antworten

Schlaganfall. Das musst Du erstmal verarbeiten, ich meine innerlich. Schnell fragt man sich, warum? oder Warum ich? und Wer hat Schuld?

Ich kenne die Trauerphasen von Kübler-Ross genau. Sie haben in meinem Leben schon öfter eine Rolle gespielt; besonders seit dem Tod meiner ersten Frau vor zehn Jahren. Ja es sind Sterbephasen, aber eben auch Trauerphasen. Ich bin jetzt in einer Trauersituation. In Trauer über mich, über mein bisheriges Leben, dass nun ein Ende hat. Alles was jetzt kommt, ist anders; hat andere Ziele und Bedürfnisse.

Und natürlich die Frage, wer hat Schuld? Es sind immer die anderen, ist ja auch einfach. Aber so einfach ist es nicht. Ich weiß das. Aber was sind die Umstände, die zu so einem Ereignis führen, geführt haben. Jeder Mensch erleidet Verletzungen, ich meine nicht die physischen, sondern die psychischen. Man erträgt sie, blockt sie ab, und versucht sie nicht an sich heranzulassen. Und doch schleichen sie sich ins Bewusstsein ein. Es waren zu viele Verletzungen in der vergangenen Zeit, besonders in den ersten Monaten des Jahres bis zum Tag vor meinem ersten Gewitter. Meine Arbeit, die ich sehr gerne mache bzw. ich muss wohl sagen, gerne gemacht hatte, war in den letzten Wochen bestimmt von solchen Verletzungen von Menschen, von denen ich es nicht gedacht hatte. Ich war plötzlich nicht mehr für das Thema zuständig für das ich innerlich brannte, meine fachliche Expertise nicht gefragt, unerwünscht. Ich fühlte, nein ich fühle mich am Boden zerstört. Menschen, auf die ich gehofft habe, haben mich enttäuscht – entweder dadurch, dass sie gegen mich agiert haben oder auf meinen Wunsch nach Unterstützung gar nicht reagiert haben. Und immer die Frage nach dem Warum?

Sollte ich jetzt auf diese Menschen zugehen und sagen: Ihr habt Schuld an meinem Schlaganfall? Sollte ich sagen, der Stress, den ihr mir bereitet habt, hat zum Schlaganfall geführt?  Sollte ich mich auf dieselbe Stufe begeben wie sie? Es scheint doch so zu sein, dass die psychische Belastungen der letzten Wochen ein Baustein für die Entstehung meines Schlaganfalls sein könnten.

Wie manch von Euch vielleicht wissen, bin ich kirchlich engagiert und habe einen christlichen Glauben, aus dem ich manchmal meine Kraft ziehe.

In dieser Situation und mit diesen Fragen, ging ich heute Abend in den Raum der Stille des Krankenhauses. Ich nahm das Gesangbuch und schlug eine Seite auf. Ich landete durch Zufall bei dem Psalm 37.

Entrüste dich nicht über die Bösen, sei nicht neidisch auf die Übeltäter.  Denn wie das Gras werden sie bald verdorren, und wie das grüne Kraut werden sie verwelken. Hoffe auf den HERRN und tue Gutes, bleibe im Lande und nähre dich redlich. Habe deine Lust am HERRN; der wird dir geben, was dein Herz wünscht. Befiehl dem HERRN deine Wege und hoffe auf ihn, er wird’s wohlmachen und wird deine Gerechtigkeit heraufführen wie das Licht und dein Recht wie den Mittag. Sei stille dem HERRN und warte auf ihn. Entrüste dich nicht über den, dem es gut geht, der seinen Mutwillen treibt. Steh ab vom Zorn und lass den Grimm, entrüste dich nicht, dass du nicht Unrecht tust. Denn die Bösen werden ausgerottet; die aber des HERRN harren, werden das Land erben.

Ich bin nicht naiv. Ich fühle mich auch nicht gerecht oder besser als andere. Manchmal muss man auch seinen Mund aufmachen, um Dinge zu erreichen. Aber trotzdem ist der Text eine Antwort auf meine Fragen: Ich werde versuchen keinen Zorn und keinen Ärger auf die o.g. Menschen ausüben. Es bringt nichts und zwar besonders mir nicht. Ich würde mich auf dieselbe Stufe stellen wie sie, würde versuchen Ihnen ein schlechtes Gewissen machen. Aber was würde es für mich bringen? Es würde an meiner Situation nichts ändern. Irgendwann, werden sie auf Hilfe angewiesen sein und dann könnte ich  antworten oder einfach anders agieren. Und es braucht Zeit und Langmut, um an sein Ziel zu kommen. Vielleicht tun sich ja auch ganz neue Perspektiven auf, die ich vor lauter Zorn und Ärger gar nicht sehen könnte. Ich muss positive Gedanken in mir zulassen. Ich muss sowieso sehen, ob und wenn ja wann und wie ich wieder arbeitsfähig sein werde.

Der Text hat mich heute weitergebracht. Ob es mir gelingen wird, diesen Langmut durchzuhalten, weiß ich nicht. Es wird sicher Tage des Zweifelns geben, aber heute fühle ich mich erstmal  mit diesen Worten gut aufgehoben.

6. Juni 2017
von Stefan-A. Hoffmann
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Warten auf einen Arzt

Meine linke Seite ist taub vom Kopf bis zu den Zehenspitzen. Es bleibt. Es fühlt sich an wie eingeschlafen, doch die linke Seite wacht nicht mehr auf. Aber es kommt kein Arzt, keiner, der mich untersucht, mich befragt und gar eine Therapie einleitet. Nichts. Ich kann ja noch laufen, ich kann ja noch sprechen, bin noch klaren Geistes und kann alle Koordinierungsübungen durchführen.

In der Nacht wurde in mein Zimmer ein netter Mann gelegt, der zwar etwas älter, aber auch schlagartig aus seinem bisherigen Leben gerissen wurde. Ihn hatte es deutlich schlechter erwischt als mich, allerdings schon ein paar Tage eher. Wir kamen nett ins Gespräch.

Am Nachmittag breitete sich Hektik auf Station aus. Es war von Verlegungen die Rede. Dann heiß es, ich müsse meine Sachen packen, ich würde gleich auf eine  normale Station verlegt. Ich sagte, ich würde nur gehen, wenn endlich mal ein Arzt zu mir käme.

Einige Minuten später kam dann die Oberärztin, die mich befragte, untersuchte und  Diagnostik und Medikamente ansetzte. Sie war sehr zugewandt und freundlich, ich fühlte mich endlich in guten Händen.

Von nun gibt es Blutverdünner, ASS auf Lebenszeit und Chlopidogrel für drei Monate. Ich werde also in Zukunft mehr darauf aufpassen müssen, mich nicht zu verletzen.

Dann der Umzug. Ich bin gegangen, unsicher, wie auf Pudding, in Begleitung. Es war wie ein Marathonlauf. Aber ich hatte es geschafft. Die Station ist eine fachlich gemischte, Unfallchirurgie und Neurologie. Zu Gast kam ich in ein 3-Bett-Zimmer. Details erspare ich Euch. Ich sage nur Luft und Schnarchen. Alles andere könnte Ihr euch denken. Die Nacht war unerträglich.

5. Juni 2017
von Stefan-A. Hoffmann
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Das Gewitter bleibt!

Der gestrige Sonntag war sehr von der unruhigen Nacht geprägt. Ich hatte Angst vor neuem Gewitter und zögerte so aufzustehen. Ich war unsicher im Laufen, da die Taubheitsgefühle in der linken Seite immer wieder kamen. Die nette Krankenschwester motivierte mich den Weg zum Aufenthaltsraum in Angriff zu nehmen. Dort gibt es einen Kaffeeautomat, an dem man sich ganztägig bedienen konnte. Eine große Motivation, zumal die Nacht vorher mein Blutdruck immer sehr niedrig war.

Am Vormittag kam eine Ergotherapeutin, mit der ich ein wenig über meine Situation reden konnte. Sie sagte mir, dass jetzt die Zeit ist, ausschließlich an mich selbst zu denken, an meine eigenen Bedürfnisse. Nur so würde ich die jetzige Situation bewältigen. Sie nahm auch das erste Mal das Wort „Schlaganfall“ in den Mund, obwohl es ja noch keine richtige Diagnostik gab.

Am Nachmittag besuchte mich eine Freundin, die in Dresden wohnt. Wir hatten uns lange nicht gesehen und als sie über Facebook von meiner Situation erfuhr, war sie sofort da. Es tat gut, solche Menschen in seinem Freundeskreis zu wissen.

Ich bewegte mich immer mehr auf der Station. Aber ich lief wie ein alter Mann, unsicher, wie auf Pudding und immer das Gefühl das Gewitter könne wieder beginnen. Mein lieber kleinster Sohn und meine Frau kamen dann gegen Abend. Es war wunderschön, diese beiden lieben Menschen um mich zu wissen. Es war für uns alle wichtig, uns in diesem Moment so nahe zu sein. Denn keiner von uns kann einschätzen, wie nun alles wird, wie alles weitergeht. Aber meine Familie – und damit meine ich auch die anderen großen Söhne – sind der Antrieb für mich wieder auf die Beine zu kommen.

Ich bin schnell eingeschlafen und schlief bis zu dem Zeitpunkt, an dem das Gewitter im Liegen wieder kam und wieder die ganze linke Seite taub wurde. Diesmal war das Gewitter stärker als zuvor und es sollte die letzte Attacke sein. Aber die Taubheit auf der linken Seite blieb nun endgültig.

Zu diesem Zeitpunkt war ich von der Überwachung bereits abgenabelt und die Ärzte hatten andere Notfälle. Ich selbst konnte zwar auf meine Situation hinweisen, hatte aber das Gefühl, ich war nicht Notfall genug. Doch dies war die Nacht, an dem der Blitz endgültig bei mir eingeschlagen ist. Mein Leben hatte sich schlagartig geändert.

 

4. Juni 2017
von Stefan-A. Hoffmann
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Gewitter im Gehirn!

Endlich ein langes Wochenende. Ich habe mich unendlich darauf gefreut nach einer stressigen Arbeitswoche ein wenig zur Ruhe zu kommen. Wir sind m Samstag vor Pfingsten zu meinen Schwiegereltern nach Radebeul gefahren, um diese endlich einmal wiederzusehen. Nach dem herzlichen Empfang bei Ihnen und einem Mittagessen habe ich mich ein wenig hingelegt. Ich hatte die Nacht zuvor schlecht geschlafen – wie schon öfter zuvor. Immer wieder geht mir die Arbeit durch den Kopf und die Kolleginnen und Kollegen. Nicht die netten, sondern die, die mich auszugrenzen versuchen. Und bei bleibt die Frage nach dem „Warum“ und danach, wie mich davor besser schützen oder besser wehren kann.

Meine Frau schlug mir nach dem Mittagsschlaf vor, die wunderschöne Spitzhaustreppe durch die Weinberge Radebeuls hochzuspazieren. In diesem Augenblick war es plötzlich wie Gewitter in meinem Gehirn. Es war das Gefühl, als ob es sich zusammenzieht und die linke Seite wurde ganz taub. Ich habe gesagt, ich glaube, ich gehe jetzt nicht mit, sondern lege ich mich wieder hin. Kurz Zeit später waren die Taubheitsgefühle wieder weg.

Bei jedem erneuten Versuch aufzustehen, kam dieses Gewitter immer wieder und ich bekam Angst, es könnte sich um einen Schlaganfall handeln. Als ehemaliger Krankenpfleger geht da bei einem die Sirenen an. Nachdem späten Kaffeetrinken, schlug ich dann vor, den Notarzt zu rufen. Meine Frau machte mit  mir alle diese Koordinationsprüfungen, die man so bei einem Schlaganfall so macht. Alles einwandfrei. Ich hatte auch keine Lähmungserscheinungen oder Sprachausfälle.

Als der Rettungswagen kam, waren die Symptome verschwunden und auch bei der Aufnahme im Dresdner Krankenhaus in der Neustadt zeigte sich kein „Gewitter“. Ich kam mir fast vor wie ein Simulant. Trotzdem wurde ich schnell untersucht, der Chefarzt persönlich kam und hat sich sehr umfangreich um mich gekümmer. Auch ein CT wurde durchgeführt, es brachte jedoch keine Ergebnisse. Ich wurde gleich zur Überwachung auf die Stroke-Unit-Station aufgenommen. Sicher ist sicher.

Dort wurde ich mit viel Empathie empfangen und sehr gut versorgt. Ich hatte sogar noch Zeit über meinen Facebook-Account ein Bild von mir zu posten. Die Anteilnahme war überwältigend.

Liebe Freundinnen und Freunde, schöne Grüße aus dem Krankenhaus Neustadt in Dresden. Nach Sensibilitätsstörungen zur Überwachung hier. #läuft

Gepostet von Stefan Hoffmann am Samstag, 3. Juni 2017

In der Nacht hatte ich dann bei einem Toilettengang wieder eine heftige Attacke, so dass ich mich schnell wieder ins Bett legen musste. Die Taubheitsgefühle gingen auch nach diesem bisher schwersten Gewitter nach einiger Zeit wieder weg.

15. Juli 2016
von Stefan-A. Hoffmann
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Trauertag!

80 Tote und viele Verletzte in Nizza. Wieder mal ein unsinniges Attentat. Es macht traurig und fassungslos. Bevor jetzt aber alle wieder anfangen Ihr Profilbilder mit der Tricolore einzufärben: Gesten wurde das Wrack eines Flüchtlingsbootes mit über 600 Toten geborgen. Wo bleibt da die Anteilnahme? Wo da das Einfärben der Profilbilder? Man soll Tote nicht mit anderen Toten aufrechnen, das ist unethisch. Ein Angriff auf unsere sog. Werte sind beide Ereignisse. Nur die Toten im Mittelmeer sterben, weil wir den Wert unserer Werte offensichtlich davon abhängig machen, wo Menschen geboren werden bzw. wo sie leben, welche Hautfarbe sie haben und an wen sie glauben. Und bitte mal kurz darüber nachdenken, ob ggf. beide Ereignisse sogar zusammenhängen. Es ist ein sehr trauriger Tag. Ich bin fassungslos und meine Gedanken gehen an alle Toten und deren Angehörigen, die durch Krieg, Folter, Flucht, Terror sterben.