Zwischenbilanz vom Zauberberg

Es ist eine Weile her, dass ich hier über meinen weiteren Verlauf geschrieben habe. Das hat zunächst ganz praktische Gründe. Ich bin ja seit drei Wochen in der Rehaklinik Grünheide. Hier gibt es für Patienten nur ganz schlechte Möglichkeiten ins Netz zu kommen. Es gibt kein WLAN und das Internetterminal hier stammt gefühlt aus dem letzten Jahrhundert. Der andere Grund ist, dass ich in den ersten Wochen in der Reha einfach total kaputt war. Mittlerweile habe ich mich hier eingelebt und nun habe ich noch  bis Anfang August Zeit hier loszulassen und wieder zu Kräften zu kommen.

Nun aber einen kleinen Zwichenbericht. Zunächst muss ich sagen, dass alle Therapeuten sehr engagiert und nett sind. Ich bin wirklich dankbar für ihr Engagement und merke, wie mich jede Anwendung stärkt und mir hilft.

Etwas chaotisch war ja mein Ankommen. Die zentrale Patientenverwaltung hatte mich zum 29. Juni eingeladen. Als ich dann hier ankam, hieß es, dass man mich schon am 28. Juni erwartet hatte und mein Zimmer nun schon weg sei. Ich war dann für eine Nacht im Zweibettzimmer. Der Ärger darüber hat sich schnell gelegt und ich genieße hier jeden Tag und sehe die Chancen, die mir der Schlaganfall bietet, innezuhalten und mein Leben neu zu ordnen.

Bei den Therapien wunderte ich mich, dass ich in eine Gruppe mit Halbseiten-Gelähmten kam. Ich war doch nicht gelähmt. Aber ich merkte dann doch sehr schnell, dass ich dort richtig bin. Ich hatte auf der linken Seite kaum Kraft und dadurch habe ich auch Probleme mit dem Gleichgewicht. Die Übungen und Anwendungen waren zu Beginn z.T. sehr anstrengend, aber mittlerweile merke ich, wie sie etwas für mich bringen. Ich werde von Tag zu Tag kräftiger.

Zusätzlich hatte ich am Anfang einen Termin mit einer Ernährungsberatetin. Es ist kein Geheimnis, mein Übergewicht ist ein Risikofaktor. Ich habe hier einige Ändrungen in meiner Ernährung begonnen, die mich hoffen lassen, mich von meinen überflüssigen Pfunden zu trennen. Mittlerweile bin ich ziemlich diszipliniert und wiege erstmals seit langer Zeit mit 97 kg unter 100 kg, d.h. ich habe in den letzten Wochen nach dem Schlaganfall c.a. acht Kilogramm abgenommen. Ein guter Weg. Da ist ich mehr drin.

Ein weiterer Schwerpunkt ist die psychologische Betreuung. Zunächst musste ich viele kognitiven Tests bestehen, die mir im Ergbnis bestätigen, dass der Schlaganfall in dem Bereich keine bleibenden Schäden hinterlassen hat. Außerdem habe ich sehr gute Gesprächssitzungen mit einem sehr netten Psychologen, der mit mir meine Situation analysiert und mich in den Gesprächen dazu bringt, über mich intensiver nachzudenken und Strategien für die Zukunft zu entwickeln, die mich auch seelisch wieder mehr ins Gleichgewicht bringen. Ich bin sehr dankbar dafür.

Ja und abends sitze ich oft hier am Werlsee und denke nach, träume, zeichne oder lese.

2 Kommentare

  1. Oh Stefan, das hört sich doch alles sehr gut an! Vielleicht ist es gut, dass du gerade nicht so viel ins Internet kannst, sondern dein Fokus nun mehr auf dich und deine Bedürfnisse gerichtet ist. Ich denke oft an dich und hoffe sehr, dass es dir jeden Tag etwas besser geht und du bald wieder ganz und gar gesund bist. Fühl dich umarmt, wenn du magst, und ganz liebe Grüße
    Nele

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