Die Diagnose

Von meinen Gedanken des gestrigen Tages habe ich Euch schon in meinem letzten Eintrag berichtet. Gestern war der Tag der Untersuchungen und es gibt erfreuliche Nachrichten: Alle Blutgefäße, die zum bzw. vom Gehirn führen sind in Ordnung. Es gibt keine Veränderungen, keine Verengungen und Gefässschädigungen. Auch die Untersuchungen des Herzens zeigt, alles okay. Das ist doch was. Und ich habe meinen Aktionsradius erhöht und bin zur Cafeteria gegangen und habe mir eine Süddeutsche gekauft. Es war ein langer Weg und am Ende war ich schon ganz schön kaputt. Aber ich muss ja was tun.

Heute früh dann das MRT. Stefan ging in die Röhre. Kurze Zeit später kam der Assistenzarzt rein und verkündete mir die Diagnose: „Wir haben es im MRT gesehen, Sie hatten einen Schlaganfall. Sie können heute entlassen werden!“. Bam, das saß. Und ehe er das Zimmer verlassen konnte, hakte ich nach: „Ich kann doch jetzt nicht nach Hause, ich muss ja nach Berlin und überhaupt, wie soll ich zurecht kommen, was ist mit arbeiten, was mit einer Reha?“

„Ihr Schlaganfall ist nicht so schlimm. Da braucht es keine Reha und Sie sind ja noch jung, Sie müssen die Taubheit kompensieren, dann können Sie auch bald wieder arbeiten“, sagt er es und verschwand. Ärzte und Empathie, zwei Welten, die sich wahrscheinlich niemals begegnen werden. Das war schon frech. Ich fühlte mich minderwertig, nichtmal einen richtigen Schlaganfall habe ich.

Ich habe mich dann schnell in eine „Schlaganfall-Gruppe“ bei Facebook eingeklinkt, meine Symptome beschrieben und gefragt, ob man damit eine Reha bekommen kann? Die Antwort einer Userin hat mich dann wieder etwas gestärkt:

hallo stefan, es gibt keinen untypischen verlauf des schlaganfalls – jeder schlaganfall muss für sich selbst gesehen werden. wie kommst du darauf, dass es nicht mehr besser wird? war das eine aussage des neurologen? wichtig ist, dass du den mut nicht verlierst und der sozialdienst des krankenhauses sich schnellstmöglich um eine reha kümmert.

Das habe ich dann auch getan und schnell bei den Schwestern darum gebeten, den Sozialdienst zu bitten, für mich eine Reha zu beantragen. Es kam dann auch am Nachmittag eine nette Sozialarbeiterin, die mich bestärkte, dass mir nach einem Schlaganfall auf alle Fälle eine Reha zusteht.

Aber es zeigt, du musst dich um alles selber kümmern. Man muss sich wehren und die Dinge selber in die Hand nehmen. Sonst passiert nichts oder zumindest nicht das, was möglich wäre.

Jetzt habe ich auch meine Rückreise nach Berlin organisiert. Meine Frau musste ja schon nach Hause, weil sie wieder arbeiten musste. Ich selber werde morgen früh mit dem Zug (1. Klasse) nach Berlin reisen. Mein Schwiegervater wird mich zum Bahnhof bringen und in Berlin würde mich eine gute Freundin mit dem Auto abholen. Es wird zwar anstrengend werden, aber ich werde das schaffen.

 

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